Staupe

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Letzte Veränderungen: 

16.10.2014

LANDKREIS KASSEL
- DER KREISAUSSCHUSS -

Kassel, 20. März 2014

Pressemitteilung

Was tun ? Die Zahl an Staupe erkrankten Waschbären und Füchsen nimmt zu

Landkreis Kassel. Die Zahl der an Staupe erkrankten Wildtiere im Landkreis Kassel hat in den letzten  Wochen erneut zugenommen. „Da Staupe keine an-zeigepflichtige Tierseuche ist, haben wir zwar keine genauen statistischen Daten – die Zahl der Bürger, die sich mit Fragen zu erkrankten Tieren an uns wenden, nimmt allerdings ständig zu“, berichtet Kreispressesprecher Harald Kühlborn. Der zuständige Fachbereich für Veterinärwesen und Verbraucherschutz des Landkreises in Wolfhagen weist in diesem Zusammenhang auf die wichtigsten Verhaltensregeln im Umgang mit  auffälligen Wildtieren hin. „Die Krankheitssymptome, die Waschbären  oder Füchse bei Staupe zeigen, können denen der Tollwut ähneln“, informiert die Leiterin des Veterinäramtes, Dr. Sabine Kneißl. Wenn Bürger Wildtiere mit Verhaltensauffälligkeiten wie Verlust der Scheu, Schläfrigkeit, Bewegungsstörungen oder Aggressivität bemerken, „ist es am besten, den Fachbereich Veterinärwesen und Verbraucherschutz und die Gemeinde oder die Polizei zu informieren“, so Dr. Kneißl weiter.

Waschbären, Füchse oder Marder mit verdächtigen Krankheitssymptomen müssen außerhalb geschlossener Ortslagen von jeweils zuständigen Jagdausübungsberechtigten tierschutzgerecht getötet werden. In Ortslagen übernimmt die Polizei diese Aufgabe. „Um auszuschließen, dass es sich um eine Tollwuterkrankung handelt, werden die toten Tiere zum Landesbetrieb Hessisches Landeslabor nach Kassel zur Untersuchung gebracht“, erläutert die Fachbereichsleiterin. Der Transport der Tiere zum Landeslabor erfolgt über die jeweiligen Jagdausübungsberechtigten, die Polizei oder beauftragte Mitarbeiter des Veterinäramtes.
Für die Entsorgung verendeter Tiere ist grundsätzlich der Eigentümer des Grund-stücks verantwortlich, auf dem das Tier gefunden wurde. Dr. Kneißl: „Ist das Tier vor seinem Tod mit Verhaltensauffälligkeiten gesehen worden, kann der Grundstücksbesitzer oder der Jagdausübungsberechtigte in Abstimmung mit uns das verendete Tier untersuchen lassen“.

Aus gegebenem Anlass weist Dr. Kneißl darauf hin, dass verhaltensauffällige Wildtiere mit Krankheitssymptomen durch die Tierkörperbeseitigungsanstalt Rievenich entsorgt werden müssen: „Das Vergraben im Wald ist in diesen Fällen nicht der richtige Entsorgungsweg“.

Im Landkreis Kassel sind bisher Staupeerkrankungen bei Wildtieren schwerpunkt-mäßig in den Gemarkungen Ahnatal, Bad Karlshafen, Calden, Grebenstein, Ha-bichtswald, Hofgeismar, Immenhausen, Reinhardshagen, Trendelburg und Vellmar aufgetreten. Ansprechpartner beim Fachbereich Veterinärwesen und Verbraucher-schutz sind Herr Michel (Tel.: 05692 9873310) und Herr Pfannkuche (Tel.: 05692 9873311)

Hintergrund:
Bei der Staupe handelt es sich um eine durch ein Paramyxovirus (RNA-Virus) her-vorgerufene, hoch ansteckende Infektionskrankheit bei Hunden und anderen Fleischfressern wie Fuchs, Wolf, Frettchen, Nerz, Wiesel, Waschbär und Seehund. Hauskatzen lassen sich zwar mit dem Virus infizieren, zeigen jedoch keine Symptome. Für Menschen ist die Staupe völlig ungefährlich. Das Staupevirus ist eng verwandt mit dem Masernvirus des Menschen. Es wird durch Speichel, Nasen-, Augensekret, Kot und Urin infizierter Tiere übertragen. Empfängliche Tiere können sich somit direkt über diese Ausscheidungen durch gegenseitiges Belecken und Tröpfcheninfektion anstecken oder nehmen den Krankheitserreger mit verunreinigtem Futter, Wasser oder aus der Umgebung auf.
Besonders Jungtiere sind durch Alttiere, die zwar das Virus in sich tragen und aus-scheiden, aber nicht erkrankt sind, gefährdet. Beim Hund verläuft eine Staupeerkrankung häufig sehr schwerwiegend, oft tödlich oder mit bleibenden Schäden für das Tier. Einen wirksamen Schutz vor dieser Krankheit kann der Hund nur durch vorbeugende Impfungen erlangen.
Deshalb sollte jeder Hundehalter dringend den Impfschutz seines Hundes kontrollieren. Nach der Grundimmunisierung sollte der Impfschutz alle drei Jahre wieder aufgefrischt werden.
Obwohl die Häufigkeit des Auftretens dieser Infektionskrankheit zunächst durch regelmäßig durchgeführte Schutzimpfungen erheblich verringert werden konnte, wird nun europaweit eine Zunahme von Staupefällen auch bei Hunden beobachtet. Hier spielen unter anderem die Virusreservoire Fuchs und Marder und zunehmend auch Waschbär, die Impfmüdigkeit der Hundehalter und der zunehmende Ankauf von nicht geimpften oder infizierten Hunden aus dem Ausland eine Rolle.
Wildtiere, insbesondere Waschbären leben immer häufiger in der Nähe menschli-cher Siedlungen. So können sich nicht impfgeschützte Hunde nicht nur durch andere Hunde, sondern auch durch Wildtiere in ihrer näheren Umgebung oder auch beim Waldspaziergang infizieren.